Regeln und Rituale im Zusammenleben mit Hund

Regeln und Rituale im Zusammenleben mit Hund sind unglaublich wichtig | Hundeerziehung | Hundetraining | Alltagstraining | thepellmellpack.com

Ich lese gerade das Buch „Mensch-Hund-Code“ von Günther Bloch. In einem Absatz betonte er die Wichtigkeit von Regeln und Ritualen für den Zusammenhalt von Gruppen. Da das Buch gute theoretische Grundlagen und Zusammenhänge vermittelt, jedoch nicht praktisch wird, stellte ich mir die Frage, welche Regeln und Rituale unsere kleine Mensch-Hund-Gruppe zusammenschweißen.

Regeln im Zusammenleben mit Hunden

Regel = Eine Regel ist eine aus bestimmten Regelmäßigkeiten abgeleitete, aus Erfahrungen und Erkenntnissen gewonnene, in Übereinkunft festgelegte, für einen bestimmten Bereich als verbindlich geltende Richtlinie[1]

Gemeinschaftliche Regeln gibt es einige, nicht alle werden gleichermaßen gut eingehalten. Das liegt daran, dass mir diese Regeln schon bei allen Hunden wichtig waren, Enki und Luna aber immer noch vergleichsweise neu bei uns sind. Vieles schleift sich erst mit der Zeit zu festen sicheren Regeln ein. Das zweite Problem bei uns ist Paula. Sie ist inzwischen wirklich dement und nicht mehr in der Lage, bekannte Regeln umzusetzen.

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Eine Regel lautet, Leckerchen gibt es nur, wenn du brav sitzt. Anspringen oder anderes Einfordern gibt es nicht – und schon gar keine Selbstbedienung. Übrigens werfe ich auch den Ball nur, wenn du ihn freiwillig hergibst und dich danach setzt.

Die zweite Regel lautet: Niemals gibt es etwas vom Tisch oder so nebenbei. Ich mag keine lungernden Hunde am Tisch.  Leider hatte Luna in der Vergangenheit wohl häufig Erfolg, sodass wir sie tagtäglich aufs Neue erinnern müssen. Wenn Essen von uns übrig bleibt und für die Hunde geeignet ist, bewahre ich es auf und es kommt zur nächsten Mahlzeit mit in den Napf.

Die dritte Regel hat wieder mit Essen zu tun. Gegessen wird erst, wenn alle etwas haben. Früher funktionierte das prima. Jamie und Paula haben brav vor ihren Näpfen im Flur gewartet, bis ich wieder in der Küche war und auch der Kater seinen Napf bekam. Dann durften alle loslegen. Heute ist das schwieriger. Paula realisiert gar nicht mehr, dass sie warten soll. Und da sie auch keinen Respekt vor den Näpfen der anderen hat, frisst sie allein im Esszimmer – als erste. Luna und Enki haben noch nicht genug Selbstbeherrschung, um auch auf den Kater zu warten. Inzwischen kann ich die Näpfe abstellen und circa 5 Sekunden warten, bevor ich das Futter freigebe. Danach kommt dann der inzwischen jämmerlich quakende Kater dran.

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Noch eine Regel lautet: Nicht einfach losstürmen. Egal, ob an der Terrassentür zum Garten, der Haustür oder im Auto. Es wird brav gewartet, bis ich sage, dass es losgeht. Auch hier haben wir die Zeit inzwischen so verlängert, dass ich einmal durchatmen kann.

Die letzte Regel ist für Luna und Enki neu. Früher mussten alle Hunde fragen, ob sie mit auf die Couch dürfen. Luna und Enki haben wir das einfach so erlaubt, keine Grenzen gesetzt. Ich merke jetzt aber, wie sehr es mich nervt, wenn einfach ein Hund auf mich springt. Also müssen die beiden lernen zu fragen. Das sorgt noch häufig für Irritationen, wird aber sicher auch bald funktionieren.

Warum nun all diese Regeln? Es geht um Ruhe in der Gruppe. Rücksichtnahme und keine Ressourcenverteidigung. Es geht darum, dass jeder gleich viel wert ist und den anderen nicht übervorteilt. Und es geht darum, dass wir nicht basisdemokratisch leben und am Ende ich das letzte Wort habe (oder der Lieblingsmann).

Rituale mit Hunden

Ritual = Ein Ritual (von lateinisch ritualis ‚den Ritus betreffend‘, rituell) ist eine nach vorgegebenen Regeln ablaufende, meist formelle und oft feierlich-festliche Handlung mit hohem Symbolgehalt.[2]

Genauso wichtig wie Regeln sind Rituale, um uns als Gruppe zusammenzuschweißen. Feste verlässliche Rituale sind bei uns Futterzeiten. Morgens, circa 30 Minuten nach dem ich aufgestanden bin und abends gegen 19 Uhr. Früher habe ich Futter zu unterschiedlichen Zeiten gegeben, um nicht berechenbar zu sein. Und um zu verhindern, dass die lieben Tiere mich zu einer bestimmten Zeit wecken, weil jetzt Essenszeit ist. Einen Hund habe ich eine Weile gar nicht Zuhause gefüttert, sondern nur unterwegs. Die Tagesration wurde als Belohnung auf den Tag verteilt. Aber das gefällt mir konzeptuell nicht. Unser Zuhause soll auch für meine Tiere ein sicherer Hafen, ein verlässlicher Ort sein. Dazu gehört ein sicherer Rückzugsort, wo sie wirklich tief schlafen können. Und genauso gehört dazu die Sicherheit, dass es Essen geben wird. Zwei Mal am Tag, so verlässlich wie ein Schweizer Uhrwerk. Die Trainingsleckerlis gibt es trotzdem, dafür dann halt etwas weniger oder etwas kalorienarmes im Napf. Gewichtsprobleme hatten wir bisher nie. Und wenn die Leckerlis nicht gerne genommen werden (Enki ist ja nicht so wild auf Futterbelohnungen) möchte ich mir das nicht ertricksen, indem ich meinen Hund hungern lasse. Das ist für mich keine Option mehr.

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Wir haben auch ein Heimkommritual. Wenn ich nach der Arbeit nach Hause komme, freuen sich die beiden tierisch. Um die Aufregung etwas abzubauen, gibt es erst mal Leckerlis für Sitz statt Anspringen und dann scheuche ich sie so schnell wie möglich in den Garten und spiele eine Runde mit dem Ball, der Frisbee oder einem Ziehseil mit ihnen, damit die ganze Freude ein Ablassventil bekommt. Auch morgens nach dem Aufstehen toben wir gemeinsam, während der Kaffee zieht.

Abends kommen beide mit ins Bett und es wird gemeinsam gekuschelt. Luna bleibt dann meist, Enki geht in der Regel wieder runter, um der Nachteule Lieblingsmann Gesellschaft zu leisten. Aber die fünfzehn Minuten kuscheln würde er sich nicht entgehen lassen.

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Ein Ritual ist unsere kurze Standardrunde. So sehr ich mich auch bei größeren Spaziergängen um Abwechslung bemühe, die kurze Runde ist Ritual pur. Immer die selbe Strecke. Jeder weiß, wo es längs geht. Ich prüfe, ob die wilden Blaubeeren schon blühen oder welche Pflanzen sich sonst entwickelt haben, wie die Wildschweinsuhle aussieht und ob neue Bäume gefällt wurden. Meine Hunde lesen ihre Zeitung und schnuppern sich an den Ästen und Grashalmen längs. an bestimmten stellen wird gerannt. Warum ausgerechnet hier die Sprintstrecke sein soll, ist mir zwar schleierhaft, aber sie starten immer an der selben Stelle wieder durch. So schön Abwechslung auch ist, diese Ritualrunde muss sein und macht uns glücklich.

Mir ist es wichtig, mit diesen Ritualen unserem Alltag Struktur zu geben und uns als Gruppe zusammenzuschweißen. Alle für einen, einer für alle.

Wie ist das bei Dir? Gibt es feste Rituale und Regeln?


[1] Duden: Deutsches Universalwörterbuch

[2] Wikipedia: Ritual

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15 Gedanken zu “Regeln und Rituale im Zusammenleben mit Hund

  1. Das ist ein wirklich spannender Artikel. Ich habe des Thema Regeln und Rituale gleich auf die Liste mit Dingen gesetzt, über die ich unbedingt auch mal schreiben muss 🙂
    Im Grunde haben wir ganz ähnliche Regeln, wobei mir die Nicht-Losstürmen-Regel die wichtigste ist. Wenn ich allerdings jemanden nennen müsste, der in unserem kleinen Rudel am meisten auf die Einhaltung von Regeln achtet, dann wäre das Kalle…
    Unsere wichtigsten Rituale: Schmusen am Morgen, Schmusen vor dem Spaziergang, Schmusen nach dem Spaziergang, Schmusen bei der Begrüßung, Schmusen vor dem Training, Schmusen nach dem Training, Schmusen vor dem Füttern, Schmusen nach dem Füttern und Schmusen am Abend!
    Viele Grüße, Nora

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    1. Frauchen als Vollzeitjob. 😀 Vor lauter Schmusen kommst Du ja nicht mehr zum Napf füllen. Aber richtig, ich hätte einen konkreten Absatz mit meinen Regeln und Pflichten einfügen sollen. Denn ihre Erwartungen an mich sollte ich auch besser nicht enttäuschen. Schmusen, Toben und Ball werfen zu festgelegten Zeiten gehört definitiv dazu.

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  2. warnowtatzen

    Wieder einmal merke ich, dass wir uns doch recht ähnlich in unserer Ansicht sind. Denn unsere Regeln hast du da grad aufgeführt.
    Allerdings wartet Adgi vor dem Napf, auch wenn wir ihn vergessen. Ja, das tun wir manchmal….das tut mir furchtbar leid. Aber er steht und sabbert und dann fällt es uns irgendwann wieder ein und es gibt das ersehnte „Guten Appetit“. 😉

    In diesem Sinne: Liebe Grüße

    Anika und Sabbertrine Adgi

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  3. Pingback: Leben mit dem Hund: Regeln und Rituale - vawidoo

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  5. Kyrilla

    Wirklich toll geschrieben, wir haben auch viele kleine Rituale, z.B. das Kuscheln morgens vor dem Aufstehen, da darf mein kleiner dann auch mal mit ins Bett. 🙂 Nur fällt einem das Aufstehen dann noch schwerer. 😀 😀
    Liebe Grüße

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